Moto GP, Diderots Monologe


Kartoffelsoccer>

    Numb+Phasendoppler>

  Tougher Laster>

Fingerzeigsyndrom>

Bertolds Superstring>

Alte Welt>

Autobahn>

Fensteranlagen>

Dallas, Blackforest 1+2>

Galopp im Zeittunnel>

1995 | 1984


 


Texte | Texte bis 2008 (Kleine Auswahl)



Moto GP und Diderots Monologe



Bertold: Blackforest GP
Foto: Courtesy Kai Hensellek


- monologische Sequenz eines Motorradfahrers
(..als ich noch Computerspiele spielte)

Schon 8 Mal das Spiel deinstalliert. Er kann zwar beim Profilevel,  nicht aber beim Championslevel mithalten, die Gegner kleben wie Drohnen am Hinterrad.

ZERO Chance.

Bei der neunten Installation dieser Lebensform war B 45 Jahre alt. Die Tage bekamen eine neue Minipartialstruktur neben anderen Strukturen und das Nichts liess sich besser in Sicht bringen, weil keine Aufbruchssituation gegeben  und die Illusionen verraucht waren. Neue Verteilungsmuster von Faszination und Achtlosigkeit.

Das Glück kommt, wenn die Illusionen gehen, das hätte er nicht gedacht.

Er las Schopenhauer,  las den Anhang Schopenhauers über Kant. Und er las die Bewegungen der anderen Rennfahrer. Auf Championslevel zogen sie perfekt ihre Bahn. Schopenhauer und Motorradrennen.

Wenn er nur gewinnen würde, gleich wirds wieder deinstalliert, bei jeder Deinstallation überlegt er sich neue Strafen, falls er es wieder installieren sollte, 10 Liegestützen, nur dumm aus dem Fenster gucken, 30 Liegestützen, lieber im Bett liegen und die wunderbaren Bilder von Bertold Albrecht oder
David Teniers anstarren, Zigarre rauchen, was schon fast dem Momentum des “rein nichts tun” gleichkommt, hahaha,-----

Also noch ein Mal dieses Spiel installieren, dann installiert er es quasi klammheimlich, schaut sich gar nicht dabei zu, konfiguriert zum 9. Mal die Tasten um, z -accelerate, t- brake, , -links, .- rechts.

Pause, er liest Diderot. Pause beendet. Diderot war sich selbst der beste Gesprächspartner, gepflegte Monologe mit erfundenen Gestalten.

Die Motoren drehen hoch: 14000.

Auf dem Monitor das Spiel einer Nachbildung einer Vorstellung, die als “live”-Veranstaltung schon rätselhaft, arbiträr und frei erfunden ist, wo der Körper aufgeht im Gebrauch der fabrizierten, hochkalibrierten Objekte und dem Rausch der Geschwindigkeiten und Fliehkräfte. Wunderbare zirkuläre Welt der Ritterspiele: 

HYPODROM - MOTODROM - ANTHRODROM

Diese Rennspiele sind fies programmiert. Im Championslevel sind die Gegner gerade so stark, daß sie Dir am Hinterrad kleben und Dich bei der kleinsten Unachtsamkeit, dem minimalsten Fehler im Pulk überholen, wie im Leben diesseits des Monitors.

Die einzige Chance scheint, sich nicht auf die Rennbahn zu begeben, lümmle auf der Wiese, meide die Rennbahn.Meide den Ehrgeiz, meide den Wettbewerb, Du verlierst immer, auch wenn Du gewinnst hast Du schon verloren, nämlich beim nächsten ersten Mal oder weil Du Dich preisgegeben hast. Das ist alles klar, aber die innere und äußere ornamentale Struktur treibt Dich zur nächsten Runde, obwohl es Dich schon langsam schön ankotzt. Die Welt jenseits der Pixel-Rennstrecke, auf der Du fast fliegst, 320 auf der Geraden, diese Welt jenseits der Rennstrecke, diesseits des Monitors ist ein Wunder. Ein Motor ist schon ein Wunder, aber eine Welt. Und erst Welten, auweia jetzt wird es kompliziert. Jetzt darf nix kaputt gehen. Wenn jetzt die Kette reisst, bei 320, nicht daran denken.

Wikipedia ist erst 4 Jahre alt. (Wikiwiki, schnellschnell, rufen die Mopedfahrer in Hawai dem Eseltreiber zu, der die Straße blockiert.)

Neue Runden, neue Zirkulation. Die Geschwindigkeit und das Dröhnen des Motors lässt die Komplexität ausserhalb der Rennstrecke vergessen. Eine Spirale,die nicht ins Freie führt, auch wenn das Betriebssystem Fenster heisst. Nächste Woche geht es auf die Rennstrecke diesseits des Monitors. Diderot ist dabei.Und die blaue Blume neigt wellig wiegend ihr lichtgeschwängertes blütenreines Gesichtlein zum durchgezogenen Seitenstreifen wo ein Pulk Ameisen Botschaften übermitteln.

B schreibt diesen Text mit 49 , er schreibt er sei 45. Er nennt sich B, so wie sich Caesar Caesar nannte. Mit 45 spielte B Motorradrennen. Da war Wikipedia 4, dieses Jahr wird Wikipedia 8 der Turm zu Babel hat sich potenziert, wikiwiki, schnellschnell. Wuchernde Türme, wuchernde Städte.

Die 9. Installation hatte er damals gelöscht und seitdem nie wieder Moto GP gespielt. Andere Spiele, andere Rennstrecken. B geniest den feierlichen Moment, sich auf die Maschine zu schwingen und den Schlüssel auf ON zu drehen. Ein Buch im Gepäck, eine neue Geschichte im Kopf, von Spielen, Axiomen, Mord, Krieg, Glück, Erinnerung, Vergessen, Geschwindigkeit, Totschlag, Liebe, Transformatoren und Physik- um nur einige Marken zu nennen. Karl May der Labyrinthe. Bewegungen auf der Virtualitätshelix vor und hinter dem Monitor.


 

Kartoffelsoccer

im jahr 2090 wird es genmanipulierte kartoffeln mit selbstnavigierenden bewußtseinmodulen geben.
sie werden sich nach eigenem kartoffelwillen bewegen, auf äußere reize feinsinnig reagieren und eine tendenz zu mannigfaltigen gesellschaftsspielen entwickeln,im umgang untereinander werden sie bedauerlicherweise äußerst fiese, hinterhältige verhaltensweisen generieren. sie werden sich zum teil geschickt den ernährungsgewohnheiten ihrer humanoiden entwickler entziehen.

*****spiel des jahres 2090*****

kartoffelsoccer

beim spiel kartoffelsoccer geht es darum, daß 2 große kartoffeln (TEAM A)und 2 kleine kartoffeln (TEAM B) die kleinste kartoffel in die mitte drängen. jedesmal, wenn TEAM A und TEAM B die kleinste kartoffel in die mitte gedrängt haben, gibt es einen punkt (auch GOAL). nach 10 GOALS ist das spiel beendet.

regel: die kleinste kartoffel verliert immer.

situation GOAL


numb + phasenverdoppler, 2 Definitionen

numb

ein phasenverdoppler*. handteller- bis tellergross, weißgelblich fluoriszierend, zittrig schwebend, eigentlich mehr eine lichterscheinung als ein materieller körper. sendet metallische geräusche aus. oft in gruppen.schmelzt die zellen amphetaminsüchtiger paare in einen vakuumstrahl und katapultiert sie in die phasenverdopplung.

die einmalige fotografie einer numb gruppe.

*phasenverdopplung

ein todesähnlicher schlaf, der stunden, tage, monate, jahre, jahrtausende dauern kann. nicht der schlaf einer nacht. probanden in der phasenverdopplung altern schneller als im gewöhnlichen zeitkontinuum, aber nicht äquivalent zur dauer des schlafs.

 

TOUGHER Laster.

Da auf der irischen Insel nach der erfolgreichen EU- Andockung Elfen, Trolle, Drolle, Druiden und keltokids nur auf den allerersten Blick den Rückzug angetreten haben, forschte Bertold auf den zweiten Blick nach den typischen Zauberkreisen keltischer Kultur im scheinbar sozioökonomisch durchbuchstabierten EU-Neuland.

Man muß vorausschicken, daß die irische Natur zu den faltenreichsten gehört.


In einem Tal, das von einer Meeresbucht wegführt, die zu einem See hinführt überschattet ein hausgroßer Stein ein schiefes Häuschen, auf dem ein tonnengroßer Stein liegt aus dem ein Baum wuchert, der einen kopfgroßen Stein umfasst, auf dem drei kleine Bäume wachsen wollen, die sich zusammkauern und aussehen wollen, wie das Haus, das schiefe, nebenan, durch dessen beleuchtetes Fenster der schaudernde Nachtwanderer Steine auf einem Bücherregal liegen sieht, die dem hausgroßen Stein nachgebildet scheinen, unter dem Ölbild des Sees am Ende des Tals, das von der Meeresbucht wegführt um dann in einem Bogen wieder den Blick freizugeben auf das Meer.

Alles nimmt der Wanderer selbst in alles eingefaltet wahr, da das 7. Guiness in seinem Hirn die Hirnfalten nachäfft und durch das nicht mehr strenge Auge das Land, in dem er sich verliert.

Der allerzweite Blick zeigt ein Hafengelände, wo das alte Dublin und das alte periphere Europa der Bleistifte, Ziegelsteine, harten Strahlendosen von einer Straße zur anderen in das blitzblanke globalisierte Finanzdublin diffundiert.Es braust ein Laster vorbei. Tougher.


Zwischen stacheldrahtumzäunten Hafenhallen, schlaglochigen LKW-Rampen und ewigkeitsedelgrauen Leitplanken Piratenromantik im Drolland. Kostet wahrscheinlich ein Vermögen, die Türmchenfestung im Minigartenbeton, inklusive Landrover und dösendem Pyrenäenhund.

Keltinnen in Bandenformation sirenen von Pub zu Pub.

Die Fähre Deutschland plätschert blankgeputzt im Hafen.. Scheinbar zusammenhanglos. Dies hier und der von den Medieen und den Physikbüchern transportierte Riesenrest der Welt.

Auch wenn das Land mit Dir zu sprechen scheint, heißt das nicht, das sich die Wahrnehmungscluster zusammenfügen.

 

Bertolds Superstring 20060426

20 menschengroße Riesenzecken sitzen vollgesaugt und schief in einer Talkshowrunde, schlürfen schwarzrotgoldenen Likör und flüstern durcheinander:

"ich fliege dahin"-" ich fliege dorthin" - "ich fliege dahin",
kein Wunder, daß die Maschinen in jedem mittelgroßen Flughafen im Minutentakt starten.
Plötzlich brummt eine schwalbengroße Boeing durchs Studio und aus dem Flugzeugrumpf purzeln an fahnenbunten Fallschirmen däumlingsgroß die aus der Glotze bekannten Spitzenpolitiker,Super- Moderatoren und Hochleistungssportler, sie bleiben in der Luft hängen und schweben lächerlich über den Riesenzecken. Sie schreien den Zecken zu, daß die Maschinen schon lange gestartet sind, daß sie völlig ungeeignet seien für das Leben im Set und auch zu groß und schwer für die neuen Explotipto-Hightechmaschinen.

Die Zecken schlürfen weiter schwarzrotgoldenen Likör, gucken hilflos in die Runde, manche rutschen von den Sesseln, einige verwandeln sich in schwäbische Seelen und plumpsen salzverkrustet auf den Studioboden.

Die däumlingsgroßen Spitzenpolitiker, Super- Moderatoren und Hochleistungssportler schweben immer noch unter den heißen Studiolampen, die ihre Fallschirmchen zu versengen drohen. Sie rufen den Kameraleuten zu, sie sollten die Studiolampen heller drehen für die Quoten, in diesem Moment zerschellt die schwalbengroße Boeing an einem offenstehenden 3D-Fenster, das eine 3D -Stadt zeigt.

Wir sehen hier tatsächlich das Weichbild von Freiburg, wo das Münster in den Himmel stürmt. Gothic trash. Schon von Anfang an der Wahn der Herrschenden, Bertold, der Stadtgründer, der sich hier eine Gruft bauen läßt, das Urmünster, der steinerne Großmannsuchtsarg. Bertold,Bertold, was tust Du hier? Jetzt und vor 1000 Jahren. Jetzt ins Crash. Crashopa Bertold.
"Life will knock me down."

 

Fingerzeigsyndrom

gescheiterte erklärungsversuche über mikropolitik, segmente, kapitalismus, schizophrenie, beziehungen, geschichte, politiker, die große liebe, die einsamkeit, die verdammnis, den barock, die geologische sicht, biologismen, suizidäre einsichten, etc, etc erkennen sie bei bertold am fingerzeig-syndrom.das fingerzeigsyndrom ist sowohl eine geste der hilflosigkeit, signalisiert dem gegenüber aber auch, hey ich bin auch noch da.
disordered discovery channels.

fingerzeigsyndrom

 


 

Alte Welt - Echtvorgaukulum
das war ein seltsamer Morgen bis jetzt. Manchmal gibt es
Momente, wo etwas geschieht, was etwas aufblitzen
läßt.
Ab 6 Uhr mit Clara durch einen totenstillen, vereisten Wald.



Unter der Kapuze ist es erstaunlich warm. Wir
überlegen, wie die Tiere des Waldes das aushalten. Ist
die Natur gnädig und setzt sie sie ein halbes Jahr unter
Hormondrogen? Das Ticken meiner Kienzle ist das
lauteste Geräusch im Wald. Es dröhnt. Hinter dem Vorhang
des wortkargen Gesprächs zieht verschwommen eine
Landschaft vorbei. Die Landschaft hat die Form von 8
riesigen 3 D Buchstaben, die bewaldet, besandet,
begebirgt, beflußt, bewölkt sind, Buchstaben die aus
miniaturisierter Erdoberfläche geformt sind. Sie bilden
2 Worte:
ALTE WELT
In den letzten Monaten sah ich das nur nebulös, die
letzten Tage wurde das immer deutlicher, als ich mit
Clara durch die Reste der Streuobstwiesen meiner Jugend
ging, die verschildert und von der Herz-Klinik
beherrscht sind.Die ALTE WELT ist in den letzten 20
Jahren in meinem Kopf versunken. Wie ein alter Planet
aus letzten Jahrhunderten schimmert sie aus einem tiefen
verschlammten Grund, schön wie untergegangene Dampfer auf dem Meeresboden.
Seit einigen Wochen sehe ich wieder vage
Konturen der alten Welt. Noch in Form von 3 D Buchstaben.
Hinter denen sich aber das Bild verbergen könnte, das das Echte vorgaukelt.
Das sogenannte Echtvorgaukulum.
Z.B.von solch etwas Ungeheuerlichem, wie "Die Tiere des Waldes" .

 

AUTOBAHN -Es geht auch pulp

Sommercomic, brutalo.

Vielleicht trifft er sie. Sie war letzte Woche auch hier.
Er kann den Parkplatz gut überblicken von hier aus. 18 Uhr. Letzte Woche war sie um 18h15 hier.
Also noch 15 Minuten. Er weiß noch nicht recht wie er es anstellen soll. Letzte Woche hatte es nicht geklappt. Er war im entscheidenden Moment unvorbereitet. Das wird heute anders sein. Vielleicht geschieht etwas Unvorhergesehenes .
Oder sie kommt gar nicht. Das ist unwahrscheinlich. Ihm wurde mitgeteilt, daß sie kommen muß.Es ist extrem heiß.

Mindestens 42 ° im Schatten.

Er kann sich nicht einmal sicher sein, ob er sie erkennt. Als er sie letztes Mal erkannte, war es schon zu spät . Er weiß, daß er ein Risiko eingeht. Was er nicht weiß: ob es sein Inneres- das sogenannte Innere- ist, daß ihn dazu drängt, oder die Macht seiner Autraggeber. Die meisten seiner Kollegen meinen, es sei die Macht der Auftraggeber. Er ist sich da nicht so sicher. Bisweilen meint er einen eigenen Antrieb zu spüren.
Oder ist der Wille der Auftraggeber schon so sehr mit seinem eigenen Willen verschmolzen?
Eben war er sich seiner Sache noch sicher. Sicher und todsicher sind zwei Paar Stiefel. Die Stiefel des Sensenmanns. Jetzt beginnt etwas zu zittern in ihm. Wenn nur die Hitze nicht wäre. Die Hitze ist gegen ihn.


Er stellt sich vor, daß die Unabwendbarkeit dieser Begegnung ihr Ruhe und Gelassenheit gibt, im richtigen Moment das Richtige zu tun. Wahrscheinlich wird es so harmlos beginnen wie letzte Woche, als eine junge Frau, mit kurzen Jeans und weißem T shirt mit dem grünschwarzen Aufdruck EYE aus einer schwarzen Limousine stieg. Sie hatte das Gesicht abgewendet. Setzte sich neben die Limousine auf den Asphalt . Diesselbe Hitze. Sie starrte den Vorderreifen an, drehte sich dann blitzschnell um. Er hatte sich zufällig die Augen gerieben und den Schweiß von der Stirn gewischt.
Das war seine Rettung. Er sah nicht ihr Gesicht.
Ein mikroskopisch feiner Strahl blitzte über die Wand.Er sah nur noch einen Schatten und sie war verschwunden. Er lebte noch. 18h13. Er hatte plötzlich das Gefühl, er würde verlieren.
Es war die Hitze. Die Hitze war gegen ihn. Er versuchte sich zu konzentrieren. 18h14 .

Hatte er es gewollt? Auf jeden Fall hatte er mitgemacht. Er sah das T Shirt. EYE. Sie kam von links. Überquerte den Parkplatz . 18h15 . Jetzt. Er sah ihr Gesicht.

Der Polizeibericht London Heathrow vom 8. August 1999 meldet einen Toten in der stillgelegten Ticketkabine des abgelegenen Parkdecks C3 . Name und Herkunft unbekannt.
Seine Augen und sein Gehirn verdampft. Ansonsten keinerlei Spuren von Gewaltanwendung.
Die weggedampften Augen, das leere Gehirn dahinter sahen echt Scheiße aus. Der Mann trägt schwarze Jeans und ein weißes T Shirt mit dem Aufdruck AUTOBAHN.

 

 

Die Fensteranlagen oder Superagentin Vincis Zitate

Er dachte, er könne jetzt getrost nach Bologna fahren, nachdem ihn der Inspektor freundlich entlassen hatte.
Kaum waren tags darauf die Koffer gepackt, der Sitzplatz im Zug reserviert und seine baldige Ankunft gemeldet, als ihn ein Telefonanruf erreichte. Er solle doch noch einmal vorsprechen, man habe da etwas vergessen und sicher sei seine Angelegenheit in wenigen Minuten zur Zufriedenheit aller gelöst. Er nahm die Platzreservierung zurück und telefonierte nach Bologna, er werde einige Stunden später eintreffen. Den Koffer ließ er gepackt, er holte nur sein Notizbuch aus der Manteltasche und machte sich auf den Weg zum Gebäu. Der Inspektor ließ ihn schon am Eingang erwarten und man führte ihn in einen ihm bislang unbekannten Büroraum. Nach längerer Zeit wurde er in ein Nebenzimmer zum Inspektor gerufen. Dieser legte ihm Fotografien vor.
"Aus ihrem Leben , Herr Taviani", sagte er. Taviani hatte die Fotografien nie zuvor gesehen: Bilder seiner Kindheit auf dem Hof im apulischen Hochland, von seinen Eltern und Geschwistern, Bilder seiner Schul- und Studienzeit und einige Fotos seiner schon früh verstorbenen Frau. Die neuesten Fotos waren gerade zwei Wochen alt. Alle Bilder waren schräg von oben fotografiert, gerade in einem solchen Winkel, daß die Gesichter noch erkennbar waren. Der Inspektor stellte zu den Fotos noch einige Fragen, aber Taviani konnte nicht antworten. Etliche Fotos zeigten Begebenheiten, an die er sich nicht mehr erinnern konnte oder es schien ihm, daß er manches, was auf den Fotos zu sehen war, nie erlebt hatte. Der Inspektor legte ihm nahe, bei Superagentin Vinci vorzusprechen. Ab morgen sei sie im Gebäu.
Taviani war leise verärgert, aber er getraute sich nicht, Einspruch zu erheben. Der Inspektor entließ ihn.
Taviani fand nicht mehr zurück zum Ausgang, er verirrte sich und schließlich konnte er auch nicht mehr den Raum entdecken, wo er eben noch mit dem Inspektor gesprochen hatte. Er sah und hörte keinen Menschen und da alle Gänge und Räume schalldicht waren, nutzte es auch nicht zu rufen. Nach langer Zeit des Umherirrens hatte er noch keinen Ausgang gefunden. Er wurde sehr müde und beschloß, sich in einem der tausenden von Räumen, die von den Gängen wegführten, schlafen zu legen. In einem Büro, dessen Tür offenstand und das augenscheinlich schon länger nicht benutzt worden war, richtete er sich aus den Polstern zweier Sessel und einem Wandteppich ein Bett hinter dem Schreibtisch.
Am nächsten Morgen weckte ihn ein Angestellter, der auf keinerlei Vorwürfe einging und nur gelassen bat zu folgen.
Zwanzig Minuten lang wurde er durch Gänge und Flure geführt, die ihm unbekannt waren, die er nie zuvor gesehen hatte. Nach 10 Jahren der Beschäftigung im Gebäu, war es ihm, als kenne er einige hundert Gänge, Flure und Räume zumindest grob, aber seit seinem Gespräch mit dem Inspektor hatte er fast nichts wiedererkannt.
Der Angestellte wies ihm schließlich eine offene Tür und verabschiedete sich höflich. Offensichtlich befand er sich im Büro von Superagentin Vinci. In diesem Raum war er schon einmal gewesen. Aber er konnte sich an den Weg hierher nicht mehr erinnern. Ein steinerner Sessel glänzte hinter einem steinernen Schreibtisch. Auf dem Marmorfußboden hallten die Schritte seltsam laut, als seien Mikrophone eingelassen, die jeden Schritt aufnehmen und über versteckte Lautsprecher wiedergeben.
Mehrere kleine Deckenscheinwerfer sorgten für helles, gleichmäßiges Licht. Nach einiger Zeit trat Superagentin Vinci durch die Tür hinter dem Schreibtisch und grüßte.
Taviani beschwerte sich über die unangemeldete Einberufung , aber Superagentin Vinci erinnerte ihn an die Verträge, die er unterzeichnet hatte und er lenkte ein. Superagentin Vinci erklärte, sie sei vom gestrigen Gespräch informiert und machte ihm klar, daß er dringend gebraucht werde und daß zunächst eine lange, lückenlose Aufarbeitung seiner Vergangenheit anstehe.

Zunächst solle er nur den Fahrradausflug beschreiben, den er als 20- jähriger mit seiner damaligen Geliebten unternommen habe , eine sehr einfache Aufgabe, da er ja seinen Kollegen oft erzählt habe, daß das eine sehr glückliche Zeit, vielleicht die glücklichste, für ihn gewesen sei und er sich sicher ohne weiteres daran erinnern und dies beschreiben könne.
Danach würden die Aufgaben möglicherweise schwieriger, aber es ginge immer nur um seine Vergangenheit und nichts unmögliches werde verlangt. Frau Vinci gab ihm die Nummer seines künftigen Arbeitsraums, in dem er auch wohnen werde.
Seinen -freundlicherweise schon gepackten-Koffer habe man holen lassen. Erschrocken fragte Taviani, ob er einen Fehler begangen habe, daß es zu dieser Einberufung komme, aber Superagentin Vinci verneinte lachend. Er wollte noch weiterfragen, wurde aber von zwei Angestellten mit sanftem Druck hinausgeführt.

Er folgte ihnen zu seinem angewiesenen Wohn- und Arbeitsraum.
Sie machten ihn noch einnmal darauf aufmerksam, daß er den Raum jetzt nicht mehr verlassen könne, ausgenommen der Weg zu den Fensteranlagen am Ende des Ganges, die ihm selbstverständlich zur Verfügung stünden. Desweiteren sei für alles gesorgt, desweiteren, desweiteren... Ohne die Datumsanzeige in seinem Raum hätte er nicht gemerkt, daß in einer endlos langen Zeit ein Jahr vergangen war, in dem er 225 Beschreibungen des Fahrradausflugs abgegeben hatte, die alle abgelehnt wurden. Immer wieder ließ Superagentin Vinci verlauten, die Aufarbeitung sei lückenhaft und in keiner Weise vollständig. Tage, an denen er die Arbeit verweigerte, schienen noch länger zu dauern als die, an denen er seiner Pflicht nachging. So verweigerte er immer seltener die Arbeit.

Frischluft und Aussicht bezog er über die sogenannten Fensteranlagen, die er jederzeit durch den Gang bequem erreichen konnte. Unzählige Aussichten waren über Knopfdruck simulierbar. Er besah sich häufig Parkanlagen des 18. Jahrhunderts, aztekische Tempel, Oasen in der Sahara,


eine seltsam gedämpfte Stadt gedämpfter Lichter,,Ausschnitte der chinesischen Mauer sowie



Straßenzüge aus Paris und London vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Das Essen war reichhaltig und gut. Es gab täglich frische Kleidung. Badezimmer und Toilette waren großzügig. Die Personen, die ihm Essen und Toilettenartikel brachten, wechselten häufig. Einmal im Monat sprach ein Arzt vor, der ihn nach Maßgabe von Superagentin Vinci untersuchte.
Der Arzt, die Essensbringer, überhaupt alle, die mit Taviani in Berührung kamen, verweigerten auf höhere Weisung jegliches Gespräch. Lediglich die Formulierung "höhere Weisung" ließ Taviani vermuten, daß Superagentin Vinci noch mit seinem Fall betraut war. Nur die notwendigsten Bemerkungen wurden zugelassen. Die Isolierung und die gesteuerte Mißachtung durch das Personal brachte ihn bald an den Rand des Wahnsinns. Die Kontakte waren gerade so gehalten, daß er nicht vollständig verrückt wurde. Ein ausgeklügeltes wissenschaftliches System sorgte perfekt dafür, Taviani immer gerade am Rande des Wahnsinns zu belassen, ihn im rechten Moment immer wieder medikamentös abzufangen. Immer wieder hatte Taviani verlangt, bei Superagentin Vinci vorgeführt zu werden, einige Male hatte er die Essensbringer angeschrieen und einmal sogar angegriffen, worauf 2-3 Ordner den Raum stürmten, um ihn in eine Ecke zu drücken oder ihm eine Beruhigungsspritze zu geben. Die Beschreibungen des Fahrradausflugs, dieser "glücklichen oder glücklichsten Zeit", waren am Anfang kurz, wurden immer länger, um am Ende dieses endlosen Jahres wieder kürzer zu werden. Schließlich kritzelte er nur noch Fahrräder auf das Papier, dann Striche, Netze, wirres Zeug, er aß immer weniger rief immer wieder 3-4 Namen. Auch den Namen der Superagentin.
Die Essensbringer starrte er fassungslos an. Sie hatten ein ganzes Jahr nie mehr als höchstens einen kurzen Satz gesprochen und dann abgebrochen. Nach der Datumsanzeige waren 15 Monate vergangen, als man ihm das Fahrrad seines Ausflugs von damals in den Raum stellte. Außerdem Fotos und Briefe seiner damaligen Geliebten. Es war der 2.11.2019. Er schrieb nichts mehr, kritzelte auch nichts mehr, trotz eindeutiger Direktiven, es weiter zu versuchen. Superagentin Vinci (die ihn kontinuierlich hatte beobachten können, da ihr einzig und allein sein Fall anvertraut worden war) meinte, Taviani hätte versagt, es sei doch ein liberales Lebensverhältnis gewesen und die Aufgabe nur gekoppelt an die Beschreibung einer glücklichen Zeit.
Aber eigentlich sei ohnehin alles Versagen, dieses den Sinn und die Geschichte plattwalzende Zugeständnis müße sie doch machen, selbst Goethe habe sich zerüttet und er habe es geahnt und sie zitierte einen Brief Goethes, den dieser 5 Tage vor seinem Tod an W.V. Humboldt geschickt habe:

"Ganz ohne Frage würde es mir unendliche Freude machen, meinen werten durchaus dankbar anerkannten, weit verteilten Freunden auch bei Lebzeiten diese sehr ernsten Scherze zu widmen, mitzuteilen und ihre Erwiderung zu vernehmen. Der Tag aber ist wirklich so verwirrt und konfus , daß ich mich überzeuge, meine redlichen, lange verfolgten Bemühungen um dieses seltsame Gebäu würden schlecht belohnt und an den Strand getrieben, wie ein Wrack in Trümmern daliegen und von dem Dünenschutt der Stunden zunächst überschüttet werden. Verwirrende Lehre zu verwirrtem Handel waltet über die Welt und ich habe nichts angelegentlicher zu tun als das , was an mir ist und geblieben ist womöglich zu steigern und meine Eigentümlichkeiten zu kohibieren, wie Sie es, würdiger Freund, auf Ihrer Burg ja auch bewerkstelligen."

Die Angestellten, die Superagentin Vinci zuhörten, hatten Taviani schon fast vergessen und sie sollten ihn noch ganz vergessen.
So wie jeder und jede für sich unterging, mußte jeder und jede irgendwann durch die anderen untergehen. Das war Superagentin Vincis unausgesprochene Ansicht und sie wurde von den Oberen geteilt und die Unteren schienen mitzumachen. Untere konnten durch Untere oder Obere untergehen, Obere konnten durch Obere oder Untere untergehen.

Wenn auch fast nichts gleich verteilt war in diesem Gebäu, so war es der Untergang und die fürsorgende Haltung der Pflegekräfte.

 


Dallas, Blackforest (Dr. T und die Frauen)

mein erster kontakt mit dallas war altmanns film "dr.t. und die frauen". die story eines gynäkologen einer unsagbar reichen super-upper-class-jetset high society in dallas.
die ausnahmlos gelifteten, silikonmodellierten milliardärinnen waren unter kosmischen hüten, ausladenden designerklamotten, gebirgen von schminke versteckt. man sah sie kaum.
man hörte sie dauernd. schneidende stimmen. sie trugen die extremsten stöckelschuhe. die männer in hightech-camouflage jagten enten, schossen dauernd daneben, aßen lappersandwitches und redeten penthousesachen.dass die tochter des doktors lesbisch war, war schlimmer als der 3. weltkrieg. auf den regalen stand der teuerste kitsch der welt, ein taschentuch kostete ein monatsgehalt, von dem champagner, der in diesem film getrunken wurde, hätten 2 leute wie g. und ich 10 jahre leben können.die liebhaberin des arztes hatte die schmalste nase der filmgeschichte. ihr mund war nur ein strich.diese leute waren faszinierend künstlich. barbie empire.

g. und ich schauten betroffen auf unsere berg- und turnschuhe.
4. welt. wir sollten uns in den teuren vierteln von dallas als deutschsprechende hausaffen verkaufen. oh god wie niedlich, diese uralten affenturnundbergschuhe. iiihh unser äffchen hat schuppen. wir flüsterten dauernd und nervten das publikum. tippelbruderbier von norma.die wertung damals: reingehen,lachen, billiges bier und ungetoastetes toast mitbringen.

zwei oder drei wochen später lag bei meiner mutter ein kreuzwortblättchen auf dem tisch, dessen hauptpreis eine reise nach dallas war. ich gewann die reise. für 2 personen.
ich flog allein. als erstes besuchte ich das tiffany und traf die verkäuferin aus dem film. sie sah aus wie im film.
sie begrüßte mit küsschen links küsschen rechts eine kundin, ich traute meinen augen nicht, es war frau t.

sie sah echt aus, genauso künstlich wie im film. ich fragte sie auf schwarzwaldenglisch:

" ähh, sorry, läuft der film noch?"

"natürlich. sie sind echter deutscher?"

"ja, aus dem schwarzwald. ich hab den film gesehen, sie haben klasse gespielt."

"oh, ich habe nicht gespielt."

"es sieht hier immer noch aus wie im film, läuft er noch?"

"ja, natürlich." -

"wo sind denn die kameras?"

sie nickte mit dem kopf in richtung glasvitrinen. da stand ein graumelierter typ mit einer kleinen sony und filmte. ich winkte kurz rüber, er reagierte nicht, filmte weiter.

die leute im film sind echt tolerant, dachte ich, sie lassen mich sogar in turnschuhen ins tiffany und frau t. war reizend psychisch krank, so sehr, daß sie unsere standesunterschiede nicht wahrnahm. es war wie im film, diese seltene krankheit, bei der die erwachsenen zum kind mutieren. ich konnte einfach mit ihr nachhause, es war als hätten sich 2 kinder im sandkasten getroffen. ich verbrachte zwei entzückende wochen mit ihr, wir waren fast ununterbrochen zusammen, ohne uns ein einziges mal zu berühren, was nicht leicht war, was nicht möglich war, weil sie ausgerastet wäre, man hätte sie wieder einweisen müssen. ich redete mit ihr wie mit einem kind, ich konnte bei ihr wohnen, schlief auf einem gigantischen sofa im wohnzimmer, ich aß 2 wochen lang obst, obst, obst und trank pro tag 1-2 flaschen champagner. wir besuchten ihren mann, ihre töchter, ihre freundinnen, die jagdfreunde ihres mannes, da waren die hüte, die stimmen, die enten, die kitschregale, der geruch von geld, viel geld, es war alles da, wie im märchen und sie zahlten alles, der graumelierte typ schien überhaupt nicht zu schlafen, er sprach fast kein wort, lungerte dauernd mit der kamera um uns herum und filmte und filmte. in den ganzen 4 wochen wechselten wir vielleicht 5 sätze. er hatte die seltene gabe, sich unsichtbar zu machen. manchmal vergaß ich ihn für stunden, obwohl er immer einige meter von mir entfernt drauflosfilmte.ich mußte mir anfangs dauernd die nase putzen, so roch es nach geld, aber ich gewöhnte mich schnell an den geruch, nach 4,5 tagen war die nase ok, ich roch das geld nicht mehr, in ein paar monaten soll
teil 2 ins kino kommen, ich glaube der film wird
"dallas, blackforest" heißen,es war sogar mal kurz "blackforester" im gespräch, hatte ich gehört, doch jetzt, zurück in der 4. welt, muß ich mir erst mal neue schuhe kaufen, vielleicht die runtergesetzten bei hertie, oder doch das angebot von aldi abwarten. unterm strich war ich für die typen ja ein verdammt billiger schauspielertrainer. die leute vom preisausschreiben hatten sich gewundert, daß ich nur die erste nacht im hotel gewesen war. das sei in den vielen jahren preisausschreiben noch nie vorgekommen.
schon nach 2,3 tagen konnte ich wieder geld riechen. genial.

platonic speed

"ich will nicht allein bleiben" sagte mrs t. zu mir, "wenn ich ein vogel wäre, würde ich nach hollywood fliegen, nach dallas, nach freiburg, dann würd ich die augen schließen und für immer bei dir sein."

sie spielte mir die ganze zeit in dallas vor, sie sei ein kind, sie sei mrs t. im quadrat mit der seltenen ich-bin-ein-kind-krankheit, aber es war nur ein trick, die männer auf distanz zu halten. sie sagte mal:

" wenns um schweinereien geht, kenn ich mich besonders gut aus."

ich hielt distanz und mochte sie immer mehr. aber dass sie mir bei den dreharbeiten zu "dallas-blackforest" die ganze zeit vorspielte, sie sei eine schauspielerin namens f.f. war schon komisch.

platonic speed.

während den dreharbeiten zu "dallas-blackforest" fällt mir fast automatisch die trainerrolle zu. Unter anderem trainiere
ich dr t. in "social behaviour for alien species". und das während der dinnerparty. ich hatte nie ruhe. hier freut er sich gerade über einen neuen genialen tip vom blackforester, wie sie mich in dallas nannten.die dame ist auch ganz erstaunt. sie scherzen über meine graue trainingskluft.

 


galopp im zeittunnel (2001)

wenn die twens auf viva 2 (2001 mein background-sender) von den 60ern reden, ist das rein psycho-chronologisch wie wenn ich in den 80ern versuchte, mich in die 40er zu beamen.sie zitieren natürlich diesselben kurzgeblitzten abziehbildchen, wie ich damals über die 40er. die 40er, also stalingrad, phantasmagorische hitlermassen, stabile nsu- bikes, grobwollenes, erdige kellergrüfte, autos wie kutschen, volksempfänger (so oder ähnlich die abziehbildchen) wirkten auf mich damals fast so fern wie das mittelalter. ich hatte es nicht in den knochen, es hatte keine traumkonsistenz, höchstens ein von fritz lang oder den warner brothers geliehener traum, es waren keine schmerzens- und freudenfalten..

well, schleife zurück: die 60er hab ich "irgendwie" in den knochen. bei den filmen aus den 60ern schwingt für mich etwas mit, was bei den filmen aus den 40ern ohne frequenz bleibt. immerhin hatte ich in den 60ern als 3-jähriger beim nachbarn hinter den neu gekauften tv-apparat geschaut und keine püppchen gefunden. frequenzen. träume leihen macht immer mehr spaß, die träumeverleihveranstaltungen boomen. gegenwart und vergangenheit schmelzen. divergierende und convergierende microsagen, microsounds, pixel. DATA KILLS HISTORY, heißt es, was natürlich nicht stimmt, da sind vor den monitoren ein paar gehirne ermüdet, herzen verblasst.

es bleibt stur ein unterschied zwischen der selbst erlebten vergangenheit und der vergangenheit der geschichte der anderen.
große stromstärken lassen sich von kleinsten stromkreisläufen regeln.

 

 


Gesprächsnotiz 1995 | 1984



Bertold in der Küche | 1983 ? 1984 ?

Mit Copy und paste im Jahre 2008 eine Gesprächsnotiz auf die Site setzen.

W und B erinnern sich 1995 an das Jahr 1984, die golden- haschgrüne Hippyzeit war schon vorbei, aber die Kunst hatte noch Träume.

Und Punk und Cyberpunk ventilierte. Wir waren in Sachen Kunst fast zeitgleich an New York und die US Westküste angeschlossen, aber unser Alltagsdenken und das ganze drumherum war mal 10 Jahre, mal 100 Jahre, mal 200-300 Jahre hintendran. Wir konnten ganz gut damit leben, weil wir es nicht anders kannten. Aber wenn ich bedenke, daß William Gibson 1984 Neuromancer schrieb, als wir durchs heiße Spanien kutschten.. wir lebten in der Steinzeit. Nichts gegen die Steinzeit bitte!

Diese Gesprächssplitter hier also als Zeugnisse diverser Zeitverschiebungen.

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Die Reise 1984 , das Gespräch 1995. (Splitter) 3.5.1995

 

W raucht, B schaut aus dem Fenster. Der Rauch,der See, der Himmel.

Offen. -So ein offener Himmel wie auf dem ARAL Plakat-

Zerstreuung in einem gewissen Grade und in einer gewissen Form.Also mit andern Worten "konzentriert auf Künstlerart".

die Unfähigkeit, die Fülle der Welt zu ertragen. Aber es gibt Momente, da gibt es nichts besseres.Keinen besseren Moment.mit Referenten, mit Schattenreferenten.

Der Berg.

 

 

Wir waren reich.Relativ.

Und spürten es kaum.

 

Im Land der letzten Dinge steht auf den Buchrücken.Borderliner brauchen eine imaginäre Struktur, einen Plan .

W. drückt die Handflächen nach vorne als schiebe sie etwas Unsichtbares von sich.

W: Nenn es unsystematische Wirklichkeitsforschung.

B. denkt an wandernde Ameisen.

W. schaut aus dem Fenster. Der wandernde Berg.

W kramt in einer kleinen Kiste, die sie heute morgen hinter ihrem Bett hervorgeholt hat. Wenn wir keine Funken mehr produzieren, ist unsere Zombifizierung perfekt.

B: Höchste Zeit, daß wir unsere Schätzchen aus Kisten und Tüten graben.

B: "Wir fürchten uns vor der Zeit. Aber die Zeit fürchtet sich vor den Pyramiden."

W: Sehr unbescheiden, in der Tat.

Wenigstens das Präsens bitte,sagen wir heute.

Und wo Gefahr ist droht das Schlimmere auch, bevor wir vom Rettenden reden.

B: Die unwiderruflichen Wallfahrten des frühen Mittelalters geben zu denken, was wissen wir über den Grad der Verzückung, derer, die ins heilige Land zogen, um dort zu sterben? Wir erschauern, wenn das Definitive unseres Lebens in einem Ritual unwiderruflich besiegelt wird . Eigentlich für die anderen, ein Akt für die anderen, damit sie lesen, hören, merken: Der Tod liebt das Leben.Für uns hier.

W: Der Tod liebt das Leben...zur Erinnerung, daß das ein ernstes Fest ist.

Gemeinsames Rauchen. Der Blick hinaus ins sandige Verwehen des Berges unter dem Schatten des Hundes,SCHWARZ Neufundlands Gesänge.Der Blick hinaus in den Himmel, die Lunge der Erde, BLAU über dem See dort unten.

W: Partir, c´est toujours un petit peu mourir, singen die Franzosen, der Testfall jeder Reise.

B: Wir reisten in einer konzentrierten Stille in unserem roten Zweisitzer. Keine Kinder funkten  dazwischen.Ziemlich heißes Thema für Künstlernaturn´.

W: Das Heikle.

"Thema" kommt ja griechisch von "Trockenfisch

Folgendes: deine Briefe stapeln sich in meinem Regal, die neueren auf meinem Schreibtisch zu 2-3 Türmchen. Alle im jeweiligen Kuvert.Zum Teil auch mit Kopien der Briefe versehen, die ich Dir geschrieben hab. Die Türmchen machen zwar unter Skulpturaspekten was her - da und doch verborgen- aber die Übersicht leidet. Das heißt , ich leere jetzt die Kuverts, lasse die etwas dünner gewordenen Türmchen und mach mal ne Skulptur draus und lege eine AKTE an. Und dann bin ich mal gespannt , ob es im Fortlauf des Textes vielleicht eine geheime romanhafte Ordnung gibt..

Naja vielleicht haben wir schon etwas romanähnliches produziert von unsern Rändern her , ohne es zu merken.

Die Kuvertkapitel.

alles derzeit in Hochgeschwindigkeit, um die Angst nicht zu spüren.