Der Ring des Gyges, Ferrara 16. Jhd.
Der Ring des Gyges, Öl auf Holz, 89 x 89 cm, Unbekannter Künstler, 16. Jhd, Ferrara

Camouflage Politik und NGOs

Das alltägliche, politische Gespräch ist durch die schiere Masse des schon Gedachten und Gemachten zu einer tollen Ungenauigkeit und Schieflage in jeglichen Aussagen zur Regierungspraxis verdammt. (1) Dies wird noch überlagert durch die Wunschkonstellation des Sprechenden und das mehr oder minder bewusste Problem, das „Fakten“ oder „Tatsachen“ zwar gefunden, aber letztendlich gemacht werden. Wer „Fakten, Fakten, Fakten“ zwitschert, trällert „gemacht, gemacht, gemacht“.

Die Natur trickst, tarnt, täuscht und tunnelt, so auch das «zoon politikon». Herrschaftskonstellationen bedienen sich in fondo der Lüge, der Täuschung, der Manipulation, der Simulation, das heisst verschiedener Modi der Camouflage.

In Platons Politeia erzählt Glaucon, Platons Bruder, die Geschichte des Gyges und seine Machtergreifung durch Camouflage:

[…] Die Freiheit, die ich meine, wäre ungefähr in der Art, daß ihnen eine Kraft würde, wie sie einst [Gyges,] der Ahnherr des Lydiers besessen haben soll. Er sei nämlich ein Hirte im Dienste des damaligen Herrschers von Lydien gewesen, und infolge starken Regens und eines Erdbebens sei ein Riß in der Erde entstanden und eine Öffnung an dem Orte, wo er weidete. Wie er das sah, habe er sich gewundert und sei hinabgestiegen und habe da, unter anderem Wunderbaren, von dem die Sage erzählt, auch ein hohles ehernes Pferd erblickt, mit Türen, zu denen er hineingeguckt und innen einen Leichnam, wie es schien, von mehr als menschlicher Größe gewahrt habe. Dieser habe sonst nichts gehabt als an der Hand einen goldenen Ring, den er sich an den Finger gesteckt habe, und dann sei er herausgestiegen. Bei der gewöhnlichen Zusammenkunft der Hirten, um dem Könige den Monatsbericht über die Herden zu erstatten, habe darauf auch er sich eingefunden, mit dem Ring am Finger. Wie er so unter den übrigen saß, habe er zufällig den Ringkasten gegen sich, dem Innern der Hand zu, gedreht; infolgedessen sei er seinen Nebensitzern unsichtbar geworden, und sie haben von ihm als einem Abwesenden gesprochen. Er habe sich gewundert, wieder den Ring angefaßt und dessen Kasten nach außen gedreht, und darauf sei er sichtbar geworden. Als er dies bemerkt, habe er mit dem Ringe den Versuch gemacht, ob er diese Kraft besitze: und wirklich sei es ihm immer so gegangen, daß, wenn er den Kasten nach innen gedreht, er unsichtbar geworden sei, und sichtbar, wenn er ihn nach außen gedreht. Nach dieser Entdeckung habe er sogleich es dahin zu bringen gewußt, daß er einer der an den König Abgesendeten wurde. Da habe er denn dessen Weib zum Ehebruch verführt, habe in Gemeinschaft mit ihr dem Könige nachgestellt, ihn ermordet und sich der Herrschaft bemächtigt. […]

Camouflage ist nicht nur in Friedenszeiten, sondern vor allem auch im Krieg konstitutives soziales und operativ-politisches Verhalten. Wobei Krieg und Frieden in einer kontinuierlichen Übergangszone gesehen werden kann. Geschichte lässt sich als ein nie endender Krieg nicht nur der Herrschenden gegen das eigene Volk lesen, sondern auch zwischen Hans und Hänsel, Kain und Abel. Derzeit erleben wir wieder eine Phase übergriffiger Volkserziehung und Menschenhaltung.

Camouflage Politik ist dann festzustellen, wenn

a) die Protagonisten eines Regimes (im Sinne der praktischen Herrschaft einer Regierung) banal und blank lügen oder manipulieren (dies schon fast eine Grundkonstante politischer Aktion)

b) das politische Handeln mit dem Parteiprogramm, dem Wahlversprechen, der kommunizierten «Public relation» nicht übereinstimmt (was fast immer bis ins Groteske gesteigert zutrifft),

c) der Top-down Befehl (meist kurzfristig erlassene und oft geänderte Verordnungen und Gesetze) die mögliche (Gegen-) Macht von Diskursen aus dem Volk oder nicht regimekompatible, wissenschaftliche Erkenntnisse verdrängt,

d) eine paranoische, virtuelle, oder simulierte Neonormalität propagiert wird und sich diese wie ein modriger Nebel über die vormalige ethische und soziale Norm legt,

e) massenmediale und/oder pseudowissenschaftliche Surrogatthemen (menschengemachtes Weltklima, Gender, Virenangst, der Andere als Verkörperung des Bösen etc.) von Realproblemen ablenken.

f) Camouflage Politik als Herrschaftspraxis ist operational grundlegend in «Low intensity conflicts» und der «4th generation warfare».

Ein schwer zu durchdringendes Amalgam klebriger Vereinheitlichung von Exekutive, Legislative und Judikative bei mehr oder minder gleichgeschalteten alliierten und alimentierten (Konzern-)Medien ist ein weiteres Symptom von Camouflage Politik. Das Volk und die Bürger werden massenmedialen Propagandatechniken (Psy op) ausgesetzt. Camouflage Politik im Sinne der unter (f) genannten Herrschaftsmethoden eröffnet ein Arsenal von «soft power techniques» und Varianten psychologischer Kriegsführung.

Die Etablierung mächtiger Organisationen und Komplexe (sogenannte NGOs, eigentlich GOs = Governmental Organizations), die staatenübergreifend die politische Klasse und die anhängende Verwaltung beherrschen, fördert bis in jeden Verwaltungsakt die Methoden der totalitären Durchdringung. Dies durch Setzung von Ideen, Narrativen und Programmen, die offen in scheinbar philanthropen, wohlmeinenden, pseudonachhaltigen, grün- und gendergewickelten Worthülsen kommuniziert werden (WEF als fast schon sektenartiges Netzwerk der Mächtigen, Agenda 2030, ID 2020, HERA und viele andere), deren intrinsische Ziele aber als reine Machtergreifung hin zum totalen Überwachungs- und Erziehungsstaat der Camouflage unterliegen. Seit 2020 erleben die Bürger fast weltweit eine verschärfte Top-Down Revolution durch die Biopolitik dieser mächtigen NGOs und einem politischen Personal aus der Ziehschule der „young global leader“, welches gebannt von den imperativen Narrativen des WEF Richtung Dystopie schlafwandelt.

Am nahen Horizont droht eine Form der „Massentierhaltung“ für das physisch, psychisch und mental injizierte zoon politicon. In Shanghai wird dieser Horror derzeit (Mai 2022) an über 25 Millionen Menschen durchexerziert.


Fussnoten:

(1) Der Staat und mit ihm das politische Handeln lässt sich im Gegensatz zweier grundverschiedener kategorischer Modelle betrachten:

Einmal als hierarchisch strukturiertes System einer göttlichen Ordnung oder einer kristallinen, übergeordneten Konstellation ethischer Gesetze gegeben, welche soziale Widersprüche austariert, und über eine logische und moralische Integration und Legitimation den Konsens über den Sinn der sozialen Welt firmiert – im Idealfall als ein pro bono für die Herrschenden und für die Untertanen. Diese erste Sicht auf den Staat zieht eine perspektivische Linie von der Republik der weisen Männer bei Platon zur «civitas dei» des Augustinus und der «communitas perfecta» der Scholastik (Thomas von Aquin), den Vertragstheoretikern der frühen Aufklärung (Thomas Hobbes, David Hume) hin zur Postulation der Naturrechte bei John Locke bis zum Hegelschen Modell, in dem der preußische Staat in seiner Vollendung als absoluter Geist gedacht und gewünscht wird in Kontrapunkt zu Kants Ethik des kategorischen Imperativs, um (in einer kecken Verkürzung) nur wenige klassische Werke und Theorien über das Staatswesen zu nennen.

Andererseits kann der Staat aus der Tradition revolutionärer oder emanzipatorischer Bewegungen heraus als (Zwangs-) Apparat der herrschenden Klassen, als ein inhärenter «Funktionszusammenhang zum Schlechteren» (Bourdieu: fonctionalisme du pire) gesehen werden. Dieses Modell, das sich aus dem Realdruck der Verhältnisse und dem Begehren der politischen Subjekte gegen hergebrachte Herrschaftsformen entwickelt, greift auf die Empirie und setzt Natur- und Menschenrechte in Bezug auf den jeweiligen historischen Prozess als Konflikt um den Herrschaftsanspruch. Hier sehen wir Theoretiker und Autoren wie Rousseau, Proudhon, Marx, Althusser, Sartre am Werk.

Oft vermischen sich unbewußt/halbbewußt und fast unausweichlich diese (und andere) Perspektiven, den Staat zu denken im politischen Alltagsdiskurs, wobei das zweite Modell, der «Funktionszusammenhang zum Schlechteren», in der Gegenwart vorherrscht.


[ Bildquelle: Der Ring des Gyges, Ferrara, 16. Jhdt. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Der_Ring_des_Gyges_(Ferrara_16_Jh).jpg ]